„Überzeugungen sind gefährlichere Feinde der Wahrheit als Lügen.” (FN)
also | 20 Juli, 2009 21:12
Berühmtes Foto Robert Capas: „Loyalistischer Soldat im Moment seines Todes“, z.B.
http://www.physiologus.de/bilder/capa_tod.jpg
http://graphics8.nytimes.com/images/2008/01/24/arts/27kenn.04.jpg
http://img.stern.de/_content/60/92/609265/Jubilaeum500_1_500.jpg
Javier Cáceres berichtete in der SZ vom 20. Juli 2009 über Zeitungsartikel, Buch und Film zum Thema: Ist Capas Bild eine Fälschung? Seine Darstellung zeigt u.a.,
1. dass das Bild vor den Toren des Örtchens Espejo (Provinz Cordoba) aufgenommen worden ist,
2. dass es Anfang September 1936 aufgenommen worden ist,
3. dass in Espejo zu diesem Zeitpunkt keine Kämpfe stattgefunden haben,
4. dass für diese Zeit keine Meldungen über Tote in Espejo existieren,
5. dass der Soldat Federico Borell García sein soll, der allerdings hinter einem Baum starb, nicht im offenen Feld.
Cáceres hält das Bild für eine Fälschung und bietet zu Erklärung an, dass es gestellt ist, was man von einigen Fotos Capras und seiner Gefährtin Gerda Taro weiß; er referiert auch die Theorie Whelans, dass die Gruppe dort herumgealbert habe und der Soldat von einem faschistischen Scharfschützen ermordet wurde (dagegen spricht aber 5., s. oben!).
Interessant ist danach die Feststellung, dass auch gefälschte Bilder erhebliche Wirkung zeigen können, und die Einsicht, und dass wir symbolträchtige Bilder brauchen, um an ihnen unsere Einstellungen und Ideale festmachen zu können. Ich erinnere an das, was Milhelm E. Mühlmann zur symbolischen Überprägnanz gesagt hat: In einem Symbol ist eine Norm überdeutlich ausgeprägt – das besagt nichts gegen die Norm, aber es besagt,
1. dass man das Symbol Symbol sein lassen muss, es also nicht für historisch ausgeben oder ansehen darf (obwohl man das „muss“, damit es wirkt),
2. dass die Norm nicht aus diesem Symbol ihre Geltung beziehen kann, obwohl sie durch das Symbol erheblich gestützt wird.
Bleibt also die Frage, woher die Norm Geltung erlangt.
Überlegung 30 Jahre nach Erfolg und Scheitern der Sandinistischen Revolution in Nicaragua (1979): In der Politik ist ein guter Schuss Zynismus mehr wert als allzu große idealistische Begeisterung; balance of powers ist besser als „alle Macht den Guten!“. Im Besitz der Macht werden die Guten böse, man muss ihre Macht einschränken, muss für einen geordneten Wechsel der Machthaber sorgen.
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