„Überzeugungen sind gefährlichere Feinde der Wahrheit als Lügen.” (FN)
also | 19 Juli, 2009 15:30
Die Hölle war eine praktische Einrichtung: Dort konnte man alle Sünder braten, und mit dieser Drohung kriegte man die Sünder hier schon einigermaßen in den Griff, hoffte man (seitens der christlichen Kirche[n]).
Johann Schloemann berichtete in der SZ vom 13. Juli 2009 ("Gerechtigkeit ist Terror") über Untersuchungen zur Geschichte der Höllenvorstellung, wie sie in der Zeitschrift Numen (56. Jg., Heft 2-3) festgehalten sind:
1. Im frühen Christentum gab es die Hölle nicht, in der Apokalypse kommt nur der Teufel in die Hölle; für die frühen Christen reichte es, nicht in die Königsherrschaft Gottes zu kommen.
2. Über die apokryphen "Apokalypse des Petrus" (2. Jh.) und "Apokalypse des Paulus" (um 400) wurde die Hölle eingeführt; das Höllenbild wurde dann von Gregor d. Großen und "Sibyllinische Orakel" endgültig geschaffen und ausgemalt.
3. In der Paulus-Apokalypse ist deutlich zu sehen, dass mittels der HÖLLE die Amtsträger der Kirche diszipliniert werden sollten (Drohungen gegen unzüchtige Diakone und solche Burschen).
4. Die Quellen der HÖLLE sind jüdisch-mystisch und heidnisch.
5. In die HÖLLE gingen auch Vorstellungen von den Leiden der großen Rebellen Tityos, Tantalos und Sisyphos (Odyssee) ein; ansonsten kam man in Griechenland in den Hades, ein trauriges Schattenreich sinnloser Existenz.
6. Die davon abweichende Vorstellung einer Bestrafung nach dem Tod erfüllt das grausame Bedürfnis nach Gerechtigkeit: "Gerechtigkeit, auf das Wesentliche entkleidet, ist Terror." (Walter Burkert) [Gerechtigkeit ist im Letzten nicht gerecht, weil wir unseren Taten nicht gewachsen sind: von Manes Sperber nachgewiesen, N.T.]
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