norberto42: Neue Essays

„Überzeugungen sind gefährlichere Feinde der Wahrheit als Lügen.” (FN)

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Wenn sich der Krieg wieder lohnt

also | 26 Mai, 2009 11:34

Dieser Gedanke, also der Aspekt der Ökonomie der neuen Kriege, bestimmt Herfried Münklers Buch "Die neuen Kriege" (2002).

Münkler zeigt, wie für die Warlords und ihre meist jungen Kämpfer der Krieg sich ökonomisch und vom Prestige her lohnt; wie die Hilfslieferungen der Internationalen Organisationen dazu beitragen, die neuen Kriege zu verlängern; wie die Berichterstattung längst ein Teil des Kriegsgeschehens  geworden ist; wie die "Rationalisierung" des Krieges als ethnisch oder religiös fundiert willkommen ist, weil man ihn so durch Aufklärung glaubt überwinden zu können. Wenn man das Buch liest (die Hälfte genügt, der Rest ist Wiederholung: ein Buch hoher Redundanz!), versteht man das rational, was bei erster Betrachtung als politische Verderbtheit einzelner PLO-Führer erscheint (Matt Beynon Rees: Ein Grab in Gaza, 2009).

Daneben und nicht ganz mit dem Grundgedanken vereinbar wird erklärt, wie es zu den Massenvergewaltigungen in den neuen Kriegen kommt; die haben in der Tat die Bedeutung, ethnische "Säuberung" vorzubereiten bzw. durchzuführen. 

Münkler argumentiert aus dem Vergleich mit der europäischen Geschichte, wo die Kriege zunehmend staatenbildend wirkten, während die neuen Kriege Ergebnis und Ursache des Staatenzerfalls seien. Dieser Blick des Autors ist, wenn man so will, wissenschaftlich-zynisch; aber der humantiäre Blick allein zeitigt durchaus inhumane Folgen. Manchmal sieht man eben nicht nur mit dem Herzen gut, sondern auch mit dem analytischen Verstand.

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