„Überzeugungen sind gefährlichere Feinde der Wahrheit als Lügen.” (FN)
also | 30 August, 2007 20:28
Was tun wir, wenn wir spielen? Es gibt verschiedene Arten, wie man
spielen kann. Kinder spielen Mutter und Kind, Arzt und Patient; sie
spielen die Rollen der Erwachsenen, welche sie kennen. Andere fahren
mit Rollern, stauen einen Bach, fangen Bälle, bauen mit Legosteinen
oder fahren am Computer simulierte Autorennen. Erwachsene spielen Skat,
Schach, Tennis. Mannschaftsspiele sind fast immer Kampfspiele; diese
verlieren ihren spielerischen Charakter, wenn es vor allem um den Sieg
oder primär um Geld geht: Profis betreiben das Spielen als Beruf.
Das Rollenspiel von Kindern hat mit dem Profi-Fußball nur noch den
Namen „Spiel“ gemeinsam. Lassen wir also den zur Unterhaltung der
Massen betriebenen Sport beiseite, wenn wir über das Spielen
nachdenken. Was tun wir also, wenn wir im alten Sinn spielen? Wir gehen
in eine von uns selbst erbaute „andere“ Welt, in der es die Regeln des
Kampfes mit Feinden und der Sorge um das tägliche Brot nicht gibt, auch
nicht den Streit mit den Nachbarn oder Arbeitskollegen - jedenfalls
nicht „echt“. Wir verbringen die Zeit, indem wir nach neuen Regeln
handeln, auch kaufen oder kämpfen - aber am Ende zählt alles nichts:
Wir hören auf zu spielen, wenn wir keine Lust mehr haben, wenn der
Schlusspfiff ertönt oder das Spiel nach seinen Regeln beendet ist. „Es
ist doch nur ein Spiel“, sagt man einem Kind zum Trost, wenn es beim
Spielen verloren hat; das heißt jedoch, dass auch das Spielen mehr als
ein Spiel ist; wäre es anders, brauchte man nicht das Gegenteil zu
beteuern.
Wenn es spielerisch gelingt, ist das Spielen „erfüllte Zeit; es schenkt sinnvolles Erleben jenseits aller Erhaltenswerte; es ist ein Tun mit Spannung und Lösung,“ sagte Adolf Portmann (wer‘s gebildeter haben will, sollte Schiller zitieren); es setzt einen Zeitraum ohne Sorge voraus und kann so höchste innere Freiheit schenken. Dass auch unser Leben ein Spiel ist, obwohl im Berufsleben normalerweise das Gegenteil erfahren, heißt es in jugendbewegten Liedern, aber auch in der christlichen Barockdichtung; je nach dem Spiel-Verständnis wird uns dabei freigestellt, ob wir an den urteilenden göttlichen Zuschauer des Welttheaters glauben oder uns die totale Improvisation gestatten.
Über „Spiel“ als Metapher siehe deen Aufsatz http://norberto42-2.blog.de/?tag=spiel!
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