posts: Montaigne: Essais I (Inhalt, Kommentar)
Dass Montaigne der Stoa zugehört und demgemäß standhaftes Ertragen aller Widerwärtigkeiten fordert, ist bekannt. Ich nenne daher einige andere Themen:
1. Die Macht der Phantasie bedenkt er mehrfach (Nr. 4, 8, 21 , eventuell auch 3);
2. das nüchterne Urteilen ist...
Montaigne spricht hier davon, „wie wir unsere Lebensdauer [gemeint: -erwartung, N.T.] bestimmen“ (163, links): dass es natürlich sei, im Alter zu sterben. Angesichts der Hinfälligkeit und der vielfachen Abhängigkeit menschlichen Lebens sei es eher...
Nachdem er sich zu Beginn völlig dem kirchlichen Urteil unterworfen hat (159, links; später die captatio 162, links oben), empfiehlt er, das „Vater unser“ als bestes aller Gebete häufig zu beten. Er fragt sich, warum wir Gott fortwährend um alles Mögliche...
Am besten röchen Körper, wenn sie nicht riechen, meint Montaigne; und diejenigen, die sich künstlicher Wohlgerüche bedienen, hätten es vermutlich nötig.
Er selber liebt Wohlgerüche und hasse Gestank; Geruch bleibe an ihm hängen, vor allem an...
Im ersten Teil dieses „Versuchs“ klagt Montaigne unsere Neigung an, dass man (bzw. unsere Urteilskraft) „Dinge wegen ihrer Seltenheit, Neuheit oder auch Schwierigkeit als belangvoll hinstellt, selbst wenn ihnen jeder Wert und Nutzen abgeht“ (157, links).
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Es geht hier Montaigne um den Fehler unserer Natur, „daß wir an nichts unser Genügen finden und selbst in unseren Wünschen und Vorstellungen unfähig sind, das zu wählen, was uns not tut“ (156, rechts). Cäsar hatte festgestellt, dass die unbekannten, nie...
Montaigne zählt Beispiele dafür auf, wie hochrangige Römer bescheiden lebten.
In Zeiten, wo Minister mit einer Sondermaschine der Bundeswehr aus dem urlaub zur Kabinettssitzung nach Berlin fliegen, kann man von solchen Beispielen nur träumen.
Was Montaigne hier unter mehreren Aspekten beklagt oder verwirft, ist das hohle Gerede, das man mit Wörtern veranstaltet. Der erste, am umfangreichsten behandelte Aspekt ist die politische Rhetorik; sie diene dazu, „den Pöbel und eine zerrüttete Bürgerschaft zu...
Drei ganz verschiedene Themen behandelt Montaigne in diesem Essay: Zuerst berichtet er von seinen Versuchen, über alles Mögliche nachzudenken; er hat nämlich entdeckt, dass es nichts gibt, worauf das Denken nicht anwendbar wäre - und die Kraft des Denkens zeige sich gerade...
Montaigne verteidigt den ethnozentrischen Blick: dass man das eigene Volk zum Maß des Normalen (gegenüber fremden Moden) macht, wettert aber gegen den steten Wechsel der Moden: „Offensichtlich handelt es sich also um eine Art Massenwahn, der den Leuten den Verstand raubt.“...
Montaigne berichtet hier, was er alles über den Einsatz von Pferden im Krieg gelesen hat; dabei ist das fokussierende Stichwort „Pferde“, sodass er auch erwähnen kann, in welchen Ländern es als Vorzug oder Schande gilt, auf Pferden zu reiten, und dass die Indianer...
Am Beispiel taktischer und strategischer Entscheidungen in Kriegen diskutiert Montaigne die Möglichkeit, richtige Entscheidungen zu treffen - richtig heißt, dass die Entscheidung zum Sieg führt:
Soll man militärische Erfolge rücksichtslos ausnutzen oder nicht?
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Montaigne macht einen Streifzug durch das Feld der Namen; er erwähnt Vornamen mit negativer Konnotation, schicksalsträchtige Namen mancher Geschlechter und auch Namenspiele mit Leuten oder Speisen.
Er rät dazu, man solle seinen Kinder schön klingende und...
Es geht um das Verhalten des Herrn de Guise in dieser Schlacht, welches Montaigne mit dem Grundsatz verteidigt, dass das Ziel des Heerführers wie jedes Soldaten „der Gesamtsieg sein muß und daß kein Einzelereignis, wie wichtig es auch sein mag, von diesem Vorsatz...
„Zwar gebietet uns die Vernunft, stets denselben Weg einzuhalten, keinesfalls aber, stets dieselbe Gangart“ (138, links); es sei also normal, dass uns die menschlichen Leidenschaften berühren, weil wir nicht gefühllos sind, meint Montaigne.
Dagegen stellt er...
Montaigne bezieht sich auf Gesetze, die anscheinend nur den Fürsten erlaubten, Steinbutt zu essen sowie Samt und Goldtressen zu tragen (137, links). M befürchtet, dass solche Gesetze erst recht die Begehrlichkeit nach diesen Dingen fördern und dass man, statt Luxus zu...
Dass die Unterschiede zwischen den Menschen größer als die zwischen den Tieren seien, habe Plutarch bemerkt; Montaigne überbietet diese Aussage dahin, dass der Unterschied zwischen Mensch und Mensch manchmal größer sei als der zwischen Mensch und Tier.
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„Unter allen Narrheiten der Welt ist die herkömmlichste und verbreitetste das Streben nach Ansehen und Ruhm...“ Diese beiden Wörter, „die nur Schall und Rauch sind und nichts haben, das man greifen oder an das man sich halten könnte“, seien Trugbilder....
Im Anschluss an I 39 beschimpft M Cicero weiter als einen eitlen Wortedrechsler; er stellt ihm Cäsar und Xenophon gegenüber, die ihrer Taten wegen ihre Werke schrieben, sowie Epikur und Seneca, die etwas Nützliches zu sagen hatten, aber nicht nur schön redeten oder schrieben....
Einleitend mahnt Montaigne, sich von dem aus Ehrgeiz betriebenen „Dienst am Gemeinwohl“ wie vom Umgang mit der Masse fernzuhalten. Das Ziel der von ihm empfohlenen Einsamkeit ist es, „dank ihrer geruhsamer und unbeschwerter zu leben“ (124, rechts unten), also in...
Montaigne berichtet über Fälle, wie jemand beim Tod eines Feindes sich nicht nur freute, sondern auch trauerte; er erinnert daran, dass wir beim Abschied froh und traurig sein können. „So ist es auch keinesfalls ungewöhnlich, einen Toten zu beklagen, den man um nichts...
Die ersten drei Absätze verwendet Montaigne auf eine Reflexion des Maßstabs, den man beim Urteilen anlegen soll: Ein Fehler sei es, andere danach zu beurteilen, wie man selber ist (121, links). Richtig sei es, jeden gesondert zu beurteilen, das rechte Augenamß zu haben und die...
Montaigne leitet seine Überlegungen mit der Bemerkung ein, wie oft er sich an einem Brauch stößt bzw. die durch ihn errichteten Schranken durchbrechen muss. (119, rechts)
Die Tatsache, dass manche Völker trotz des gleichen Klimas wie bei uns nackt umhergehen,...
Montaigne berichtet von einer Idee seines Vaters, der gern öffentliche Kommunikation über Wünsche und Bedürfnisse der Bürger hergestellt hätte. „Offensichtlich würde ein solches Mittel zum Austausch von Informationen die Beziehungen zwischen den...
Montaigne erzählt Anekdoten von Ereignissen, die zufällig einen guten (glücklichen) Ausgang nehmen: Mord und Totschlag dominieren.
M setzt bei der antiken Tradition an, dass es besser sei, tot zu sein, wenn die Übel des Lebens das Gute deutlich übersteigen.
Er referiert dann Senecas Rat an Lucilius, seine ausschweifende Lebensweise aufzugeben - und wenn er das nicht könne, das Leben...
„Der wahre Tummelplatz für Betrügereien sind die unbekannten Dinge, da erstens alles Unbekannte für glaubwürdig gehalten wird und zweitens die Tatsache, daß sie nicht unseren gewohnten Vernunftschlüssen unterworfen sind, uns der Mittel beraubt, die...
Montaigne verbindet Berichte über das Leben im neu entdeckten Amerika mit Berichten über fremde Inseln aus der Antike, mit eigenen Beobachtungen zur Veränderung der Erdoberfläche, mit Reflexionen über die Einschätzung von Fremden als „Barbaren“ und mit...
Der Titel deutet an, was Montaigne zunächst bedenkt: dass wir selber oft auch Schönes verunstalten, dass wir es sogar mit der Tugend übertreiben können. Als Beispiel nennt M etwa den Postumius, der seinen Sohn hinrichten ließ, weil der zwar erfolgreich gekämpft,...
Montaigne schreibt an Madame de Grammont und schickt ihr 29 Sonette seines Freundes, für welche sie die Schirmherrin abgeben soll, mit einigen Erklärungen zu diesen Gedichten, die inzwischen aber anderweitig veröffentlicht seien.
Montaigne beginnt mit einer Selbstkritik am Werk seiner Essais. Er kommt dann auf einen Essay seines Freundes Étienne de La Boétie zu sprechen, von dessen Titel er den seiner Aufsätze übernommen hat und für den er voll des Lobes ist. Über diesen „Essay...
Montaigne beginnt mit einer Erklärung der Leichtgläubigkeit der Kinder, des Volks, der Frauen und Kranken: dass man einer weichen Seele leichter etwas eindrücken könne aks einer normalen.
Danach kommt er im Gegenzug zu seinem eigentlichen Thema: der...
Dieser Essay ist an Diane de Foix, die Gräfin von Gurson, gerichtet, der Montaigne sich verbunden wusste.
Einleitend betrachtet M seine Bildung und seine Essays selbstkritisch und lässt sich über den Brauch, durch Zitate Gelehrsamkeit zu demonstrieren, negativ aus.
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Montaigne berichtet, dass Lehrer im Allgemeinen nicht angesehen sind; die Gelehrtesten seien nämlich nicht immer die Gescheitesten. Wie kann das sein, fragt er, dass jemand „die Gedanken und Urteile der hellsten Köpfe, die es auf der Welt je gegeben hat, in sich zu beherbergen...
Montaigne erzählt ausführlich zwei Beispiele, wie ein Fürst hochherzig einem potenziellen Attentäter vergibt; einmal ging die Sache trotzdem schief. Daraus folgert er, dass das Schicksal den Erfolg unserer Bemühungen herbeiführt und dass ohne die Gunst der Fortuna...
Eine Bäuerin gewöhnte sich an, das Kälbchen auf den Armen zu tragen, und schleppte dort schließlich auch den ausgewachsenen Ochsen mit sich. Diese Geschichte zeige die Macht der Gewohnheit, welche uns völlig beherrscht. Man könne sich, meint Montaigne, an alles...
Das sei normal, sagt Montaigne, insbesondere, wenn es um Berufe geht, bei denen man sich mit den Schwächen anderer befasst; kein Arzt freue sich über die Gesundheit seiner Freunde, und die Geistlichen verdienten an unseren Lastern und unserem Tod.
Ob man hierin das allgemeine...
Wieder ein wichtiger Aspekt unserer Lebensführung: „Mancher Vorfall ist das Erzeugnis einer starken Einbildungskraft, sagen die Gelehrten.“ (52) Dieser Eingangssatz wird durch viele Beispiele erhärtet, die bis zur Geschlechtsumwandlung und zum Besitz der Stigmata Christi...
Dies ist ein langer Essay (14 Spalten), in dem Montaigne mehrfach den Gedankengang neu eröffnet. Dass Philosophieren nichts anderes sei, als sich auf den Tod vorzubereiten, wird als Wort Ciceros vorgestellt. Es folgt eine zweifache erklärende Begründung:
1) In Erkenntnis...
Der erste Gedanke beachtet die Möglichkeit, dass glückliche Lebensumstände schnell umschlagen können, dass Lebensverhältnisse des Reichtums und der Macht nicht von Dauer sein müssen.
Der zweite Gedanke ist die Überlegung, dass sich „Ruhe...
Montaigne weiß eine Reihe von Beispielen dafür, dass Angst eine so außergewöhnliche Erregung ist, dass sie unsere Vernunft völlig aus der Fassung bringen und uns sogar in den Tod treiben kann.
Er berichtet, dass die Griechen eine zweite Art von Angst...
Zunächst empfiehlt Montaigne, im Gespräch mit Fremden zu fragen und sich das sagen zu lassen, wovon diese am meisten verstehen; nur dann könne man etwas lernen.
Danach setzt er neu an und diskutiert, wie weit und warum man gehorchen soll: gehorchen nach eigenem Urteil...
Es geht um die Frage, welche Taten (primär: von Soldaten) zu bestrafen sind: nur solche, die aus böser Absicht getan werden, oder auch solche, die aus Schwäche resultieren (Flucht aus Feigheit). Bei der zweiten Art werden die historischen Praktiken vorgestellt, den Geflohenen zu...
Montaigne geht von dem militärischen Grundsatz aus, man solle eine Festung gegen eine Übermacht nicht sinnlos verteidigen - Zuwiderhandlung wurde bestraft. M schränkt diese Regel aufgrund der Erfahrung ein, weil manche sich überhaupt für unwiderstehlich halten und so...
Montaigne geht von der griechischen Sentenz aus, dass wir nicht durch die Dinge selbst gequält werden, sondern durch die Meinungen, die wir von ihnen haben . Er will prüfen , ob das stets und überall so ist.
Seine erste Überlegung: Da die Menschen gleich sind,...
Es geht um das Recht, auf bestimmten Förmlichkeiten (Verhaltensregeln) im Umgang miteinander zu bestehen - zugespitzt auf die Förmlichkeiten im Umgang mit Höhergestellten. Montaigne will sich, wenn er zu Hause ist, nicht von der Sklaverei höfischer Etikette quälen...
Die elementare Forderung Montaignes besagt, dass man unvermeidbare Widerwärtigkeiten geduldig und fest ertragen solle . In der Abwehr von Einwänden oder Missverständnissen fordert er dazu auf, die vermeidbaren Übel auch durch Kampf zu vermeiden. Auch gesteht er zu, dass man...
Die Orakel funktionierten schon zu Ciceros Zeiten nicht mehr, berichtet Montaigne; die übrigen Methoden der Zukunftsdeutungen habe das Christentum abgeschafft. Dass manche solcher Methoden dennoch blühten, führt M auf „die wahnsinnige Neugierde unserer Menschennatur, die...
Montaigne spricht hier nicht über die Technik, schnell oder langsam zu sprechen, sondern über die Fähigkeit, unvorbereitet sich zu äußern. Der Anwalt müsse aus dem Stegreif reagieren können, das sei auch ein Zeichen von Esprit; der Prediger jedoch habe...
M beklagt zuerst seine Gedächtnisschwäche; aber er sieht sogleich, dass Leute mit einem guten Gedächtnis es schwer haben, selber zu urteilen (weil sie ja die Urteile so vieler kennen!) und sich im Erzählen kurz zu fassen.
M kommt dann aufs Thema...