„Überzeugungen sind gefährlichere Feinde der Wahrheit als Lügen.” (FN)
also | 03 Oktober, 2009 22:08
Sarrazin hat mal wieder laut zu kritisch nachgedacht, und schon jault die Empörungsszene - man kann einen kleinen Teil des Interviews hier nachlesen.
Was man dort liest, ist eine Attacke gegen die fröhliche Subventionitits, die von der SPD und leider auch von der CDU praktiziert wird: Geld unters Volk streuen, statt die Menschen voranzubringen. Die paar Zitate, die jetzt von der pc-Meute empört unters Volk geworfen werden, besagen nicht viel, und im Hintergrund geht es um einen Machtkampf in der Bundesbank. Ich wünsche Herrn Sarrazin ein steifes Rückgrat
und ein paar vernünftige Kommentare in den Medien - das Gejaule der Gutmenschen ist nicht zu ertragen!
also | 29 September, 2009 19:32
Heute Morgen (29. 09.) hat Pispers auf wdr2 oder wdr5 wieder eine seiner parteiisch-blöden Sendungen fabriziert: Die SPD-Mitglieder, die nach der großen Niederlage Steinmeier und Müntefering tröstenden Beifall spendeten, seien allesamt hirnlose Idioten. Ich habe nicht SPD gewählt - aber es ist eine Frage des Anstands, dass man am Abend der Niederlage die Unterlegenen nicht schlachtet, sondern tröstet. Wenn Pispers das nicht versteht (im Fall des Auszischens hätte er gesagt: herzlose Gesellen), zeigt das nur, was er von Anstand versteht und wie er seine Monopolstellung im wdr für Reklame für die von ihm favorisierte "Die Linke" nutzt. Wenn er noch eine Adresse hätte (Post, Tel, mail), dass man sich mit ihm auseinandersetzen könnte - hat er nicht, hat er nicht nötig: Er hat ja das Monopol (das Mikrofon).
Mein Vorschlag: Diesem nur mäßig witzigen Bold die Flügel stutzen; Satire ist gut, Propaganda ist Mist.
also | 25 September, 2009 10:23
also | 16 September, 2009 12:11
In seinem Aufsatz „Eine Frage der Weltsicht“ (SZ vom 14. Sept. 2009) übernimmt Heinz Bude die Ergebnisse einer Untersuchung aus Frankreich, was am Arbeitsplatz als ungerecht gilt, und stellt dar, was die drei dort genannten Prinzipien der Gerechtigkeit (Leistung, Gleichheit, Autonomie) für das politische Votum bei der Wahl zum Bundestag bedeuten.
Was Bude schreibt, leuchtet mir weithin ein – nur zu seiner Explikation des Autonomieprinzips möchte ich Bedenken anmelden: 1. Dieses Prinzip wird in seiner Ambivalenz nur für Ostdeutschland erörtert. 2. Es wird eine Ambivalenz des Prinzips dahin behauptet, dass die Leute „an eine Autorität appellieren können“ wollten, „ohne sich ihr fügen zu müssen“. Das ist aber keine Ambivalenz des Prinzips, sondern der Menschen. Wer autonom sein will, muss „dieHerstellung von Gerechtigkeit“ an Verfahren binden und an der Autorität rechtssetzender Instanzen festhalten – und wenn die Menschen (im Osten oder woauch immer) das nicht akzeptieren können, dann können sie nicht autonom sein, dann hätten sie gern eine Demokratur (schönes Wort, stand heute in der SZ).
Diese harte Einsicht verschleiert Bude, indem er von der Ambivalenz des Prinzips spricht und „das Verlangen nach Autonomie“ als Subjekt einführt –Subjekte sind jedoch allein die Menschen, die nach Autonomie verlangen, und nur in ihnen sind die genannten Ambivalenzen zu finden. Das macht die Sache allerdings nicht einfacher; denn wenn man ihrem Verlangen in dieser Frage derAutonomie nachgibt, dann ermächtigt man die Politiker dazu, sie mit schönen Worten zu beschwätzen oder zu belügen.
also | 03 September, 2009 18:28
In Goethes „Wilhelm Meisters Wanderjahre“ (I, 6) liest Wilhelm einen Spruch des Oheims: „Vom Nützlichen durchs Wahre zum Schönen.“
Hersilie setzt dagegen, dass die Mädchen wissen, dass von den Maximen der Männer oft auch das Gegenteil gelte, wie in diesem Fall: „Die Schöne findet Verehrer, auch Freier, und endlich wohl gar einen Mann; dann gelangt sie zum Wahren, das nicht immer höchst erfreulich sein mag, und wenn sie klug ist, widmet sie sich dem Nützlichen, sorgt für Haus und Kinder und verharrt dabei.“
also | 01 September, 2009 21:12
Handle besonnen, ist die praktische Seite von: Erkenne dich selbst,
schrieb Goethe an Rochlitz am 23. 11. 1829. Welch ein Wort! Und dazu noch, freilich für andere Fälle gedacht, Kants Forderung: Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!
also | 17 August, 2009 20:26
Hier werden Schriften getestet. Andale m. ? Andale/Omni
Hier werden Schriften getestet. Comic s. m. * Comic/Omni
Hier werden Schriften getestet. Verdana * Verdana/Omni
Hier werden Schriften getestet. Courier *
Hier werden Schriften getestet. Trebuchet M S *
also | 16 August, 2009 18:50
also | 26 Juli, 2009 23:15
also | 20 Juli, 2009 21:12
Berühmtes Foto Robert Capas: „Loyalistischer Soldat im Moment seines Todes“, z.B.
http://www.physiologus.de/bilder/capa_tod.jpg
http://graphics8.nytimes.com/images/2008/01/24/arts/27kenn.04.jpg
http://img.stern.de/_content/60/92/609265/Jubilaeum500_1_500.jpg
Javier Cáceres berichtete in der SZ vom 20. Juli 2009 über Zeitungsartikel, Buch und Film zum Thema: Ist Capas Bild eine Fälschung? Seine Darstellung zeigt u.a.,
1. dass das Bild vor den Toren des Örtchens Espejo (Provinz Cordoba) aufgenommen worden ist,
2. dass es Anfang September 1936 aufgenommen worden ist,
3. dass in Espejo zu diesem Zeitpunkt keine Kämpfe stattgefunden haben,
4. dass für diese Zeit keine Meldungen über Tote in Espejo existieren,
5. dass der Soldat Federico Borell García sein soll, der allerdings hinter einem Baum starb, nicht im offenen Feld.
Cáceres hält das Bild für eine Fälschung und bietet zu Erklärung an, dass es gestellt ist, was man von einigen Fotos Capras und seiner Gefährtin Gerda Taro weiß; er referiert auch die Theorie Whelans, dass die Gruppe dort herumgealbert habe und der Soldat von einem faschistischen Scharfschützen ermordet wurde (dagegen spricht aber 5., s. oben!).
Interessant ist danach die Feststellung, dass auch gefälschte Bilder erhebliche Wirkung zeigen können, und die Einsicht, und dass wir symbolträchtige Bilder brauchen, um an ihnen unsere Einstellungen und Ideale festmachen zu können. Ich erinnere an das, was Milhelm E. Mühlmann zur symbolischen Überprägnanz gesagt hat: In einem Symbol ist eine Norm überdeutlich ausgeprägt – das besagt nichts gegen die Norm, aber es besagt,
1. dass man das Symbol Symbol sein lassen muss, es also nicht für historisch ausgeben oder ansehen darf (obwohl man das „muss“, damit es wirkt),
2. dass die Norm nicht aus diesem Symbol ihre Geltung beziehen kann, obwohl sie durch das Symbol erheblich gestützt wird.
Bleibt also die Frage, woher die Norm Geltung erlangt.
Überlegung 30 Jahre nach Erfolg und Scheitern der Sandinistischen Revolution in Nicaragua (1979): In der Politik ist ein guter Schuss Zynismus mehr wert als allzu große idealistische Begeisterung; balance of powers ist besser als „alle Macht den Guten!“. Im Besitz der Macht werden die Guten böse, man muss ihre Macht einschränken, muss für einen geordneten Wechsel der Machthaber sorgen.
also | 19 Juli, 2009 15:30
Die Hölle war eine praktische Einrichtung: Dort konnte man alle Sünder braten, und mit dieser Drohung kriegte man die Sünder hier schon einigermaßen in den Griff, hoffte man (seitens der christlichen Kirche[n]).
Johann Schloemann berichtete in der SZ vom 13. Juli 2009 ("Gerechtigkeit ist Terror") über Untersuchungen zur Geschichte der Höllenvorstellung, wie sie in der Zeitschrift Numen (56. Jg., Heft 2-3) festgehalten sind:
1. Im frühen Christentum gab es die Hölle nicht, in der Apokalypse kommt nur der Teufel in die Hölle; für die frühen Christen reichte es, nicht in die Königsherrschaft Gottes zu kommen.
2. Über die apokryphen "Apokalypse des Petrus" (2. Jh.) und "Apokalypse des Paulus" (um 400) wurde die Hölle eingeführt; das Höllenbild wurde dann von Gregor d. Großen und "Sibyllinische Orakel" endgültig geschaffen und ausgemalt.
3. In der Paulus-Apokalypse ist deutlich zu sehen, dass mittels der HÖLLE die Amtsträger der Kirche diszipliniert werden sollten (Drohungen gegen unzüchtige Diakone und solche Burschen).
4. Die Quellen der HÖLLE sind jüdisch-mystisch und heidnisch.
5. In die HÖLLE gingen auch Vorstellungen von den Leiden der großen Rebellen Tityos, Tantalos und Sisyphos (Odyssee) ein; ansonsten kam man in Griechenland in den Hades, ein trauriges Schattenreich sinnloser Existenz.
6. Die davon abweichende Vorstellung einer Bestrafung nach dem Tod erfüllt das grausame Bedürfnis nach Gerechtigkeit: "Gerechtigkeit, auf das Wesentliche entkleidet, ist Terror." (Walter Burkert) [Gerechtigkeit ist im Letzten nicht gerecht, weil wir unseren Taten nicht gewachsen sind: von Manes Sperber nachgewiesen, N.T.]
also | 19 Juli, 2009 12:51
„Rede zu Protokoll“ – das heißt in der Tagesordnung des Bundestages, dass die Rede eines Abgeordneten nicht gehalten wurde, sondern nur abgeheftet wird. Anfang Juli sind in einer Nacht 40 Tagesordnungspunkte auf diese Weise erledigt und eine Reihe von Gesetzen beschlossen worden (Heribert Prantl, SZ vom 3. Juli 2009: Wie der Bundestag Gesetze und sich selbst erledigt)
also | 15 Juli, 2009 10:42
898. Wenn man den menschlichen Geist von einer Hypothese befreit, die ihn unnötig einschränkte,
die ihn zwang, falsch zu sehen, falsch zu kombinieren,
anstatt zu schauen zu grübeln, anstatt zu urteilen zu sophistisieren,
so hat man ihm schon einen großen Dienst erzeigt.
Er sieht die Phänomene freier, in andern Verhältnissen und Verbindungen an, er ordnet sie nach seiner Weise,
und er erhält wieder die Gelegenheit, die unschätzbar ist, wenn er in der Folge bald dazu gelangt, seinen Irrtum selbst wieder einzusehen.
(Goethe: Maximen und Reflexionen - Zeilenschnitt von mir)
also | 11 Juli, 2009 21:06
also | 29 Juni, 2009 23:05
Nur ein toter Indianer ist ein guter Indianer. (Weisheit des wilden Westens)
Erst ein toter Michael Jackson ist ein ewig guter Jackson. (Totenkult der Fans und "Fans")
Er ist den Irdischen entzogen, ist unerreichbar und deswegen begehrenswert geworden - des lebendigen Michael war man überdrüssig geworden. Erst als Toter ist er ein Überirdischer; mit dieser Karriere steht er im erlauchten Kreis der Heroen, der Entrückten und in den Himmel Erhobenen.
also | 20 Juni, 2009 21:57
Überschrift: George Clooney spricht über ein Medium mit seinem toten Schwein (web.de, 20. Juni 2009)
Vorspann des äußerst aufklärerischen Artikels:
Man hat es sich schon lange gefragt: Wie steht es eigentlich um George Clooneys totes Hausschwein Max? Jetzt hat ein Medium das Schwein im Jenseits gefunden und kann verkünden: Es geht ihm gut!
Dass so etwas ungestraft in Deutschland veröffentlicht wird, weil darauf spekuliert wird, dass es schon web.de-Nutzer gibt, die sich für so einen Quatsch interessieren: ist unglaublich.
also | 04 Juni, 2009 17:10
„Der Mensch mag seine höhere Bestimmung auf Erden oder im Himmel, in der Gegenwart oder in der Zukunft suchen, so bleibt er deshalb doch innerlich einem ewigen Schwanken, von außen einer immer störenden Einwirkung ausgesetzt, bis er ein für allemal den Entschluß faßt, zu erklären, das Rechte sei das, was ihm gemäß ist.“
„Es sind wenig Biographien, welche einen reinen, ruhigen, steten Fortschritt des Individuums darstellen können. Unser Leben ist, wie das Ganze, in dem wir enthalten sind, auf eine unbegreifliche Weise aus Freiheit und Notwendigkeit zusammengesetzt. Unser Wollen ist ein Vorausverkünden dessen, was wir unter allen Umständen tun werden. Diese Umstände aber ergreifen uns auf ihr eigne Weise. Das Was liegt in uns, das Wie hängt selten von uns ab, nach dem Warum dürfen wir nicht fragen, und deshalb verweist man uns mit Recht aufs Quia.“
Goethe: Dichtung und Wahrheit, 11. Buch (HA 9, S. 463, Z. 16 ff., und S. 478, Z. 28 ff.) - vgl. dazu auch Goethes „Urworte. Orphisch“!
Erläuterung: quia, meist mit „weil“ übersetzt, heißt wörtlich: in Beziehung auf was?
also | 01 Juni, 2009 22:18
Und nun sey ein heiliges Vermächtniss
Brüderlichem Wollen und Gedächtniss:
Schwerer Dienste tägliche Bewahrung,
Sonst bedarf es keiner Offenbarung.
(Goethe: Vermächtnis alt persischen Glaubens)
also | 31 Mai, 2009 09:08
Das war die Überschrift eines interessanten Artikels von Christina Waechter in der SZ vom 23. Februar 2009 (jetzt.de). Pointe: Junge Frauen pöbeln im Netz in einer Weise, die bisher eher als "männlich" galt, und finden das auch noch feministisch. "Ausgerechnet im Netz kehren sie verstärkt zu einer vergangen geglaubten Schulhofmentalität zurück und versichern sich ihrer eigenen Identität, indem sie sich von anderen durch Lästereien und verbale Hiebe abgrenzen."
Auf diesen Link kann man die Äuglein lenken
und dabei voll Wehmut an Lisa denken.
also | 30 Mai, 2009 20:01
Eben habe ich die Goethe-Biografie von Friedemann Bedürftig und Christoph Kirsch gelesen, einen wunderbaren Comic! Goethe reiste 1786 am 3. September früh aus Karlsbad ab und kam am 29. Oktober in Rom an; er war also genau acht Wochen unterwegs.
Dass Goethes Reisen anders war als heutiges Reisen, zeigt ein Blick in google-maps: Entfernung Karlsbad - Rom 1247 km, Reisezeit mit dem Auto elfeinhalb Stunden - mit der Flugzeug ab Frankfurt vielleicht zwei Stunden. Eigentlich kann man nur sagen, man werde heute verreist - jedenfalls lernt man bei der Autofahrt während eines Tages nicht Land und Leute kennen, ein solches Reisen kann auch nicht "bilden". Logischerweise muss man in Rom das sehen, was man längst kennt: den Petersdom, und das essen und trinken, was man längst kennt: Fritten und Pils.
also | 26 Mai, 2009 11:34
Dieser Gedanke, also der Aspekt der Ökonomie der neuen Kriege, bestimmt Herfried Münklers Buch "Die neuen Kriege" (2002).
Münkler zeigt, wie für die Warlords und ihre meist jungen Kämpfer der Krieg sich ökonomisch und vom Prestige her lohnt; wie die Hilfslieferungen der Internationalen Organisationen dazu beitragen, die neuen Kriege zu verlängern; wie die Berichterstattung längst ein Teil des Kriegsgeschehens geworden ist; wie die "Rationalisierung" des Krieges als ethnisch oder religiös fundiert willkommen ist, weil man ihn so durch Aufklärung glaubt überwinden zu können. Wenn man das Buch liest (die Hälfte genügt, der Rest ist Wiederholung: ein Buch hoher Redundanz!), versteht man das rational, was bei erster Betrachtung als politische Verderbtheit einzelner PLO-Führer erscheint (Matt Beynon Rees: Ein Grab in Gaza, 2009).
Daneben und nicht ganz mit dem Grundgedanken vereinbar wird erklärt, wie es zu den Massenvergewaltigungen in den neuen Kriegen kommt; die haben in der Tat die Bedeutung, ethnische "Säuberung" vorzubereiten bzw. durchzuführen.
Münkler argumentiert aus dem Vergleich mit der europäischen Geschichte, wo die Kriege zunehmend staatenbildend wirkten, während die neuen Kriege Ergebnis und Ursache des Staatenzerfalls seien. Dieser Blick des Autors ist, wenn man so will, wissenschaftlich-zynisch; aber der humantiäre Blick allein zeitigt durchaus inhumane Folgen. Manchmal sieht man eben nicht nur mit dem Herzen gut, sondern auch mit dem analytischen Verstand.
also | 21 Mai, 2009 09:11
Früher heulte Rudi mit den Wölfen. Nach einer längeren psychoanalytischen Behandlung blökt er jetzt mit den Schafen.
Mit herzlichen Glückwünschen zu Hans Traxlers 80. Geburtstag!
In den nächsten Monaten wird Rudi einen feministischen Gesprächskreis besuchen. Danach wird er mit den Zicken meckern.
also | 07 Mai, 2009 20:26
Heute in einem anderen Blog ein süßer Kommentar:
Verwunderung darüber, dass es nach "denken" dass-Sätze geben kann; Kommentator meinte, "denken" sei ein intransitives Verb (also ohne Akkusativobjekt).
Das ist grammatisch natürlich falsch, aber menschlich sicher oft richtig: Leute "denken" zwar, aber sie denken nichts: Es gibt kein Objekt ihres Denkens, sie schwabulieren vor sich hin ... Eine sehr interessante Anregung, oder? Analog könnte man sagen, dass manche Leute zwar reden, aber nichts sagen. Man kennt solches zur Genüge.
also | 03 Mai, 2009 16:46
Dies ist der Untertitel des Buches
Peter Sloterdijk: Du mußt dein Leben ändern. Suhrkamp 2009, 24,80 €
Das Buch ist von Jens Bisky außerordentlich gelobt worden (SZ 21./22. März 2009: "Es gibt keine Religion", S. 17).; es zeige die Gemeinsamkeiten der Religionen und Positionen, die im Training menschlicher Lebenstechnik beständen.
also | 16 April, 2009 12:29
Heute bei web.de zum Anklicken:
Wie sehen Aliens aus?
Sind wir tatsächlich allein im All? Diese Frage bewegt Forscher rund um den Globus. Sie haben noch keine Außerirdischen gefunden - ihre Erkenntnisse aber sind verblüffend. (-> mehr)
Um die Blödheit der Menschen zu bedienen (keine Sorge, der Sex kommt nicht zu kurz!), wird hier unter dem Stichwort 'Erkenntnisse der Wissenschaftler' präsentiert, was man nicht weiß: Keiner hat sogenannte Aliens gesehen, aber die Erkenntnisse der Wissenschaftler sind verblüffend: zum Beispiel was die Lebensdauer, den Kreislauf und den IQ sowohl die moralische Qualität der Aliens betrifft. Vor allem der IQ und die moralische Qualittät sind deutlich höher als die der Manager und Mitarbeiter von web.de - aber ist das verwunderlich?
also | 01 April, 2009 23:21
also | 30 März, 2009 20:55
Logik bildhaften Denkens,
vorgeführt an Rätseln: Wie man Bilder nur versteht, wenn man sie nicht einzeln „deutet“, sondern sie im Zusammenhang sieht.
1. Am einfachsten ist ein solcher Bildzusammenhang zu verstehen, wenn es an einer Stelle einen wörtlich (statt bildhaft) gemeinten Bezug zur Welt gibt:
„Es flog ein Vogel federlos
Auf einen Baum blattlos,
Da kam die Frau mundlos
und fraß den Vogel federlos.“
Wörtlich gemeint ist der blattlose Baum - nur sagt einem das normalerweise keiner. Wenn man den „Vogel federlos“ darauf „fliegen“ sieht, ist das Rätsel so gut wie verstanden: Wann sind die Bäume blattlos, und welche federlosen „Vögel“ lassen sich in der Zeit darauf nieder? Das Attribut „federlos“ weist den Vogel als „Vogel“ aus.
2. Wenn gar nichts mehr wörtlich gemeint ist, hat man nur Bilder, die als verstandene zueinander passen müssen: Sie dürfen also nicht einzeln „gedeutet“ werden, wie Schüler das gern tun [und womit sie nur Unverstand bezeugen]:
„Mein Körper ist von Holz, sehr leicht zu brechen,
Mein Herz kann ohne Stimme zu euch sprechen.“ (J. P. Hebel)
Ohne Stimme sprechen, das ist „sprechen“;
dann haben wir das Verhältnis „Körper - Herz“,
und der „Körper“ ist aus Holz - das ist wörtlich gemeint: Die Eingangswendung „nichts mehr wörtlich gemeint“ stimmt also nicht - wenn gar nichts wörtlich gemeint ist, ist nichts verständlich, wenn es nicht eine Konvention gibt, die ein Bild erschließt (etwa Rose: Liebe). - Johann Peter Hebel spricht von einem Schreibgerät, „sprechen“ ist hier so viel wie ‚schreiben‘.
3. Man kann darüber streiten, ob die dritte Sorte von bildhaften Rätseln noch schwerer als die zweite zu lösen ist. Hier kommt ein Hals vor, der einmal wörtlich und einmal rein bildhaft verstanden ist; der wörtlich verstandene Hals ist aber bereits eine Metapher, wenn auch eine verblasste. Er ist als solcher auch heute bekannt, aber der im Rätsel beschriebene Vorgang ist heute weithin unbekannt: Da wird etwas umgefüllt, will ich verraten.
„Ich hab‘ ein weites Maul,
Zum Trinken niemals faul,
Jedoch mein Hals ist schmal,
Den muß ich jedesmal,
Bekomm‘ ich was zu schmecken,
In einen andern stecken;
So kommt mein Trinken auch
Zugut‘ dem fremden Bauch.
Mein Trost ist: Jenem bricht
Man oft den Hals, mir nicht.“ (Wilhelm Hauff)
Wir haben den Bildzusammenhang Hals-Maul-trinken-schmecken,
den Vorgang „meinen Hals“ in einen andern stecken,
„Bauch“ als Bild (wohin das Getrunkene vom Hals fließt) und zugleich als verblasste Metapher, in dem Sinn also wörtlich gemeint... - nur dass wir heute in der Regel anders als durch Halsbrechen an Getränke kommen.
Fazit: Bilder bitte nur im Zusammenhang verstehen, nicht einzeln spinnend „deuten“!
Bilder zu verstehen macht im Sinn des Rätsellösens nicht nur Freude, sondern gilt in vielen Kulturen als Zeichen von Bildung, Klugheit, Kultiviertheit.
also | 21 März, 2009 09:13
Auf das vom Verhaltensforscher Konrad Lorenz beschriebene Kindchenschema - rundes Gesicht, große Augen, hohe Stirn, kleine Nase, kleiner Mund - reagieren Menschen über alle Kulturen und Altersklassen hinweg. Der Schlüsselreiz lässt Kinder, die stärker dem Muster entsprechen, niedlicher erscheinen.
Frauen reagieren stärker auf eine deutlichere Ausprägung des Schemas als Männer, habe man herausgefunden. - Aus Erfahrung weiß ich, dass ich stark auf Frauen mit großen Augen reagiere.
(wissenschaft-online, 21. März 09)
also | 18 März, 2009 17:44
also | 13 März, 2009 18:55
Die Eigenart von Religion wird in einem Gespräch der kleinen Alice mit der Cheshire-Katze deutlich (Carroll: Alice im Wunderland, Kap. VI - Übersetzung von John Tenniel):
„Würdest du mir sagen, bitte, welchen Weg ich von hier aus einschlagen soll?“
„Das hängt zu einem guten Teil davon ab, wo du hin möchtest“, sprach die Katze.
„Das ist mir ziemlich gleich -“, sprach Alice.
„Dann ist es gleich, welchen Weg du einschlägst“, sprach die Katze.
„- solange ich nur irgendwo hin komme“, fügte Alice erklärend hinzu.
„Oh, das wirst du ganz sicher“, sprach die Katze, „wenn du nur lange genug gehst.“
Alice fand, daß das nicht bestritten werden konnte...
Alices Frage nach dem richtigen Weg ist dumm - was der richtige Weg ist, lässt sich nur vom Ziel her bestimmen. Die Religionen wissen den richtigen Weg, ohne mich nach meinem Ziel zu fragen; denn sie wissen das Ziel - und dieses Ziel ist grundsätzlich für alle Menschen gleich.
Differenzierung kommt in die Gleichheit nur hinein,
1. wenn es doch verschiedene Wege gibt - daraus ergibt sich das Problem herauszufinden, welches der für mich richtige ist (prinzipiell unlösbar: Man muss Gottes Wort in irgendwelchen Geräuschen erkennen!);
2. wenn es nur einen Weg, aber verschiedene Gangarten oder verschiedene Tempos des Gehens gibt - dann weiß ich jedoch wieder nicht, welche Gangart und welches Tempo mir angemessen sind, siehe oben. Die einfache Lösung: möglichst rasch gehen, solange du nicht zusammenbrichst. Die zynische Lösung: möglichst rasch gehen, auch wenn du dabei zusammenbrichst - du warst auf dem richtigen Weg.
Wunderbares Beispiel für theologische Eiertänze: ein Interview mit Jürgen Moltmann, einem modernen Theologen:
[...]
Sie hingegen scheinen das Christentum weniger als Kultgemeinschaft oder Religion zu betrachten, sondern eher als eine Seinspraxis, also eine spezielle Art zu leben?
So könnte man es ausdrücken, ja. Für mich ist wesentlich, dass der göttliche Lebensgeist in Jesus war. Dieser Lebensgeist hat sich offenbar auch ohne sein Zutun verbreitet. Da gibt es die Geschichte von der blutflüssigen Frau, die nur von hinten das Gewand Jesu berührt und daraufhin geheilt ist. Er muss also ein Mensch gewesen sein, von dem Lebenskräfte ausgegangen sind. Heilungskräfte, die einen Menschen wieder aufgebaut haben. Kräfte, die Menschen, wenn sie ausgestoßen oder verachtet waren, dazu ermutigt haben, ein aufrechtes und erfülltes Leben zu führen.
[...]
Sie halten sich nicht nur von Mystik fern, sondern auch von Jenseitsvorstellungen. Sie sprechen davon, dass die Verstorbenen nicht etwa in ein jenseitiges Totenreich eingehen, sondern "vielmehr in einer Art zweiten Gegenwart gegenwärtig" sind. Das erinnert an das Jesus-Wort: "Das Reich Gottes ist mitten unter euch." Obwohl wir es nicht sehen, ist es schon da.
Abgesehen von der europäischen Moderne, die 300 Jahre alt ist, haben alle Völker und Kulturen den Ahnenkult betrieben. Das heißt, in Afrika und Asien sind die Ahnen nicht weg, sondern sehr gegenwärtig mit ihrem Segen und in ihrem Zorn. Sie sind anders da, natürlich. Aber sie sind da und fordern die Lebenden.
Wie habe ich mir das vorzustellen?
Wir alle kennen die Erfahrung, dass ein geliebter Mensch stirbt. Auf einmal hat man das Gefühl: Er ist gar nicht weg. Er ist nun allgegenwärtig! Bevor mein Vater starb, wusste ich, er sitzt jetzt dort in Hamburg an seinem Schreibtisch, guckt vor sich hin oder liest etwas. Wenn ich an ihn dachte, habe ich immer daran gedacht und habe ihn telefonisch angerufen. Und als er gestorben war, hatte ich das Gefühl, er ist immerzu und überall bei mir und sieht mir über die Schulter.
Hat Sie diese persönliche Erfahrung zu der Vorstellung von einer Gegenwart der Toten inspiriert?
Nein. Das geschah gemeinsam mit meinem katholischen Kollegen Johann Baptist Metz, als wir uns fragten: Wo sind die Toten von Auschwitz? Sitzen sie uns nicht im Nacken? Ich habe 1961 das ehemalige Konzentrationslager Majdanek in Polen besucht. Da ist mir bewusst geworden, dass man nicht sagen kann, dass diese Menschen tot sind. Sie sind da. Und sie fordern etwas von uns. Metz hat ähnliche Erfahrungen gemacht und daraus seine politische Theologie entwickelt. Im Grunde können wir ja auch gar nicht behaupten, dass jemand tot ist. Wir können nur sagen, dass er gestorben ist.
[...] http://www.chrismon.de/3994.php
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Ich habe hier rot markiert, was besonders gelungen ist: Da ist der göttliche Lebensgeist (was ist das?), der sich magisch verbreitet; da sind die toten Ahnen, an welche viele Afrikaner glauben, weshalb sie auch wohl da sind; da sind die Toten gar nicht tot, nur gestorben (worin besteht der Unterschied?) ... Wenn das keine gelungenen Eiertänze sind, die veranstaltet werden, um nach der Demontage des religiösen Weltbildes noch "Christ" sein zu können!
also | 13 März, 2009 08:49
Kaum ist der Amokläufer tot (11. März 2009), erwartet die Öffentlichkeit (wer ist das?) mit Macht, dass einerseits die Polizei Fahndungserfolge produziert, anderseits die Fachleute die unbegreifliche Tat erklären, drittens Politiker nicht nur Betroffenheit zeigen, sondern auch gleich wissen, wie solches in Zukunft verhindert wird.
Diese Erwartung führt dann dazu, dass zwei Tage lang in allen Zeitungen und auf allen Kanälen im Wesentlichen das Gleiche (meist belangloses Zeug) vermittelt wird: durch die Vermittler, die Medien, die als solche, durch ihre pure Existenz, durch Sendezeit und leere Seiten geradezu danach verlangen, dass besagtes Zeug produziert wird, der Kriminologe Pfeiffer mal wieder zu Wort kommt, Gewaltspezialisten und andere...
So hat die SZ, immerhin eine seriöse Zeitung, heute als Schlagzeile die Polizei-Ente: "Amokläufer kündigte Tat im Internet an", und Thomas Steinfeld baut auf der gleichen Ente seinen großen Kommentar (S. 11): "Verletzte Ehre".
Offensichtlich kann "man" (wer ist das?) nicht warten, bis man wirklich etwas weiß - nein, heute muss der Bericht erscheinen, heute muss kommentiert werden... In einer Woche, wenn man vielleicht mehr weiß, beherrschen andere Themen die Schlagzeilen; in einer Woche braucht sich auch nicht mehr viel zu ändern...
Noch witziger ist die pseudoreligiöse Betroffenheit, die sich in tiefsinnigen Fragen äußert: GOTT, WO WARST DU? Na, er war da, wo er auch war, als der Frager Scheiße gebaut hat und als des Fragers Großvater oder Urgroßvater vielleicht im Dritten Reich aktiv war... Vielleicht sollte man über GOTT nachdenken, wenn man selber handelt, statt Kinderfragen in Situationen zu stellen, wo keiner etwas Vernünftiges zu sagen weiß?
also | 11 März, 2009 08:36
Die heilige katholische Kirche wacht mit mütterlicher Strenge und Sorgfalt über ihre Kinder, dass sie sich nicht in den Wirren des Lebens verfangen; diese Wirren sind in den Vorstellungen der zölibatären [was nicht immer "keuschen" heißt] Sittenwächter vor allem im Bereich des Geschlechts angesiedelt. Deshalb werden Priester, die ohne römische Dispens heiraten, automatisch aus der Sakramentengemeinschaft ausgeschlossen (exkommuniziert): Sie sind ja verstockt! Das Gleiche gilt für Menschen die bei einer Abtreibung mitmachen oder eine solche durchführen lassen: Sie werden exkommuniziert, jedoch nur, wenn sie wissen, dass besagtes Handeln von Exkommunikation bedroht ist - wissen zum Glück die wenigsten, es können ja nicht alle Kirchenrecht studieren!
Nun habe ich für meinen Professor Joseph Ratzinger, den ich 1962/63 in Bonn gehört habe und der jetzt Benedikt XVI. heißt, einen sinnvollen Vorschlag: Exkommuniziere die Leute von der IRA und der Eta - das sind doch alles katholische Terroristen, vorsätzlich mordende Katholiken: Denen könnte ein klares Wort aus Rom nicht schaden. - Außerdem wäre das mal eine sinnvolle Exkommunikation, außerhalb der zölibatären Problembereiche...
also | 11 März, 2009 08:12
Eine Anzeige bei wissenschaft-online:
Manfred Spitzer
Das Gehirn und die Geheimnisse der Liebe
Was tut sich in unserem Gehirn, wenn wir uns verlieben?
14,95 EUR
http://www.wissenschaft-online.de/artikel/983138
Die Frage ist nicht, was sich im Gehirn tut (ist zwar ganz nett zu wissen...), sondern was ich tue, wenn ich mich verliebe. Diese Frage kann nicht, richtiger: darf nicht durch die Frage, was sich im Gehirn tut, weggewischt werden. Es ist eine Frage der praktischen Vernunft, es ist die Frage des potenziell nachdenklichen Wesens Mensch.
also | 10 März, 2009 17:32
„Das Recht auf das eigene Kind muss als selbstverständliches Menschenrecht anerkannt werden“, sagt der Tübinger Theologe ud Psychologe Joachim Walter.
(Artikel von Heidrun Graupner in der SZ vom 24. Februar 2009, S. 3)
Dazu habe ich zwei Fragen:
1. Woher weiß Herr Walter, was alles zu den Menschenrechten gehört? Als Theologe gibt er vor zu wissen, was Gott „gesagt“ (offenbart) hat; aber erstens ist dort nicht von Menschenrechten die Rede, und zweitens ist nicht allgemeingültig zu beweisen, was Gott gesagt hat - es gibt in dieser Frage zu viele zu widersprüchliche Behauptungen.
Wir können das Problem verallgemeinern: Woher wollen wir (alle) wissen, was zu den Menschenrechten gehört? Wo ist die Erkenntnisquelle von Menschenrechten, wenn man nicht bloß die Textsammlungen der Altvorderen zitieren will?
2. Was bedeutet: Es gibt das Recht auf das eigene Kind?
a) Ist das eigene Kind das biologisch von mir abstammende Kind? Oder ist es das Kind, das in Fürsorge, Unterhalt und Erziehung „mein Kind“ geworden ist?
b) Was bedeutet: Es gibt das Recht darauf? Dürfen wir jemandem, der ein Kind hat, dieses nicht verweigern (aber wenn er es vernachlässigt oder missbraucht)? Oder müssen wir sogar etwas unternehmen [bezahlen], damit jedermann und die entsprechende Frau ein eigenes Kind „haben“ kann?
Am Beispiel gefragt: Müssen wir ältere Damen von 65 noch künstlich befruchten, damit sie ihr eigenes Kind bekommen - siehe Italien? Wird da dem Kind nicht eine Mutter vorenthalten und eine vermutlich bald gebrechliche Oma angeboten?
Mit plakativen Sprüchen wie denen des Herrn Walter kann man alles „beweisen“, weil sie letztlich nichts besagen.
also | 09 März, 2009 17:54
Das Interview, welches Hubertus Breuer mit dem Biologen Thomas Tuschl führte (SZ 28. Februar 2009, S. 24), ist ein Lehrstück des deutschen Elends dieser Jahre: Da hat man einen nobelpreisverdächtigen Biologen, der entdeckt hat, wie sich im Menschen bestimmte Gene ausschalten lassen und den man nach Deutschland zurückholen möchte - aber man ist nicht einmal imstande, vernünftig mit ihm zu verhandeln. Die Regeln zur Verwaltung der Besetzung von Lehrstühlen macht es möglich:
„Im Spätsommer 2007 gab es das erste und letzte Gespräch mit einem zwölfköpfigen Universitätsgremium über die Ausstattung des Lehrstuhls. Dem Gremium gehörte vom Kanzler über die Verwaltung bis zur Frauenbeauftragten jeder an – nur niemand, der von meiner Arbeit etwas verstand.“ (Tuschl)
Ja, Gott sei Dank haben wir überall Frauenbeauftragte herumrennen – die nützen den Frauen zwar nichts, aber der Feminismus ist damit hinreichend und politisch korrekt verwaltet – und vor lauter hinreichender und politisch korrekter Verwaltung kriegt ein Spitzenwissenschaftler nicht einmal eine volle Sekretärin bewilligt (das wäre doch was für die Frauenbeauftragte gewesen!), von vier guten Arbeitsgruppenleitern zu schweigen... Wir verwalten uns noch zu Tode.
also | 09 März, 2009 17:28
„Wäre ich ein arabischer Führer, würde ich mich nie mit Israel verständigen. Wir haben ihnen ihr Land genommen. Klar, Gott hat es uns versprochen, aber was bedeutet das ihnen? Unser Gott ist nicht der ihre. Wir kamen aus Israel, aber vor 2000 Jahren, und was heißt das für sie? (...) Sie sehen nur eines: Wir kamen hierher und stahlen ihr Land. Warum sollten sie das akzeptieren?“
Ben Gurion, israelischer Ministerpräsident und Verteidigungsminister, der 1955 einen unbegründeten Überfall auf Gaza veranlasste
Ein Dokument des Zionismus: Gott hat es uns versprochen...
Religion als nationalistische Arroganz: Muss man so etwas als „Meinung“ gelten lassen?
also | 08 März, 2009 21:21
Eben habe ich einem Blog-Genossen ("damals") einen Gruß geschickt,
aus Jüchen/Biederrhein,
wollte aber eigentlich "aus Jüchen/Niederrhein" schreiben. Aber weil auf der Tastatur die beiden Buchstaben B und N nebeneinander liegen, wurde aus dem Nieder- der Biederrhein.
Wie wahr, dieses Versehen!
Man besuche nur in Jüchen das Kabrett, wenn die Land-Kabarettisten auftreten: die Zwei aus der Eifel zum Beispiel, oder Monika Hintsches mit ihren Fick- und Kack-Witzen und den simplen Fremdwortvertauschungen ... Es ist nicht zu fassen, worüber man sich auf dem Dorf amüsieren kann.
also | 03 März, 2009 08:42
[...] Griechische Dichter verfuhren hypoleptisch (Jan Assmann), das heißt, sie zitierten, antworteten, widersprachen einander. Diese agonale, wettkampfmässige Weise des Austausches lockt einen Denkstil hervor, der tendenziell «polemisch» ist, auf Angriff und Verteidigung angelegt. Daher die Tendenz, Argumente nicht anzudeuten, sondern auszuführen. So wird alles expliziter, aber auch angreifbarer. Diese hohe Explizitheit macht die Texte auf seltsame Weise «nah» - die homerischen Epen noch nach 2700 Jahren; sie scheinen direkt verständlich zu sein, ohne Kommentar, ja geradezu für uns geschrieben. Die meisten platonischen Dialoge sind ohne Kommentar lesbar, auch wenn der Philologe der Interpretation des Philosophen widerspricht.
Explizitheit fördert einen intellektuellen Habitus, der zur forschenden Erschließung der Welt neigt. Die Griechen übernahmen sehr viel Wissen aus dem Orient, aber sie orga-nisierten es neu. Die geringe Hierarchisierung machte den Wissensaustausch agonaler; Techniken des Widerlegens und Begründens entwickelten sich in Hellas stärker, weil man sie mehr gebrauchte. Nur so können gattungsinterne Regeln der Auseinandersetzung - Disziplinarität - entstehen. Wenn Wissenschaft bedeutet, Sachverhalte systematisch gemäss ihrer spezifischen Logik innerhalb eines abgegrenzten Gebietes zu durchdenken, dann ist sie in der griechischen Kultur entstanden, deutlich zu sehen bei Mathematik und Philosophie und Historie. Thukydides beschreibt den Peloponnesischen Krieg als immanenten Prozess, in welchem keinerlei göttliche Kraft wirkt: Die Geschehnisse werden bei ihm zum Resultat politischer Entscheidungen und zu Resultanten von Machtkomponen-ten.
In einem enormen Tempo differenzierten sich in der klassischen Zeit Wissensgebiete aus. Dazu brauchte es besondere kulturelle Konstellationen: eine städtische Kultur, großräumige Kommunikation, eine substanzielle Quote von Menschen, die nicht arbei-teten, sondern Muße pflegten; keinerlei religiöse Bedenken, wenn es ums Prüfen ging. Soziale Autorität behinderte den geistigen Austausch in weitaus geringerem Masse als etwa in Rom. Idealiter zählte nicht der soziale Rang des Sprechers, sondern die Stärke seines Arguments. Daher das Vergnügen an der logischen Sauberkeit einer Argumentation, an ihrem zwingenden Charakter, sogar dann, wenn die gedachten Konsequenzen Erstaunliches, ja Schreckliches ergeben. [...] (Auszug aus einem Aufsatz aus der NZZ)
Copyright © Neue Zürcher Zeitung AG
Samstag, 6. Oktober 2001
Unsere fremd gewordene Antike
Warum wir ihr mehr verdanken, als wir noch wahrhaben wollen
Von Egon Flaig
Das ist eine außerordentlich gute Analyse, die langfristig beachtet zu werden verdient.
also | 01 März, 2009 17:30
An der Existenz von Opel hängen 25.000 Arbeitsplätze in Deutschland. Deshalb müssen wir...
Offensichtlich sind die Politiker, gerade die in NRW, allen voran Herr JÜRGEN RÜTTGERS, lernunfähig:
Das
gleiche Argument wie jetzt bei Opel wurde in NRW jahrzehntelang für die
Förderung des Steinkohlenabbaus gebraucht; in diesen Sarg sind viele
Milliarden Mark geflossen, statt dass man dieses Geld in die
konsequente Modernisierung des Landes gesteckt hätte. Irgendwann hat
man dann doch eingesehen: Was nicht lebensfähig ist, muss man sterben
lassen.
Wenn
Opel Autos baut, die nicht genügend Käufer finden, dann ist das eben
Pech für Opel - den anderen Marken wird es dafür besser gehen. Wenn
weltweit Überkapazitäten da sind, wieso muss dann Opel erhalten werden?
Vor
50 Jahren war NRW das reichste Bundesland - dank falscher Kohlepolitik
sind wir heute höchstens Mittelmaß. Wenn wir jetzt alle maroden Firmen
"fördern", sind wir in 50 Jahren völlig unten durch - vielen Dank dem
Arbeiterführer Rüttgers!
Wo dagegen Wissenschaft und Bildung zu
förden wären, schickt Meister Rüttgers tatsächlich eine Frau Sommer
vor; über deren Konzeptlosigkeit und Stümperei braucht man kein Wort zu verlieren.
also | 20 Februar, 2009 18:04
Es ist schon erstaunlich, wie die Kirchen (hier: die römisch-katholische) mit der Bibel umgehen, wie selektiv und interessiert sie den fundamentalen Text lesen:
"Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen..." (Mt 16,18) - daraus wird der Primat des römischen Papstes herausgesponnen.
[Zur Ablehnung der Ehescheidung durch Jesus sagen die Jünger, dann sei es für den Mann ja wohl nicht gut zu heiraten.] Jesus bestätigt das indirekt: "Nicht alle können dieses Wort erfassen (...) Manche sind von Geburt an zur Ehe unfähig (...) und manche haben sich selbst dazu gemacht - um des Himmelreiches willen." (Mt 19,10-12) - daraus wird so etwas wie der Zölibat herausgesponnen.
"Ihr sollt euch auch nicht Rabbi nennen lassen; denn nur einer ist euer Meister, ihr alle aber seid Brüder. Auch sollt ihr niemand auf Erden euren Vater nennen; denn nur einer ist euer Vater, der im Himmel." (Mt 23,8 f.) - daraus wird aber nicht herausgesponnen, dass Paternalismus unchristlich ist, dass es weder ein Lehramt noch einen Heiligen Vater geben kann.
Es geht halt nichts über eine gekonnte Auswahl passender Stellen - nur darf man dann nicht mehr beanspruchen, das Ganze zu vertreten: katholisch zu sein.
also | 17 Februar, 2009 15:39
also | 02 Februar, 2009 17:32
Joseph Ratzinger, derzeit unter dem Namen Benedikt XVI. bekannt, hat vier in der Glaubenslehre abtrünnige Bischöfe (Pius-Bruderschaft) ohne Vorbedingung nach 20 Jahren von der Exkommunikation befreit und wieder in die Kirchengemeinschaft aufgenommen, darunter auch den Holocaust-Leugner Williamson.
Priester, die ohne kirchliche Erlaubnis (standesamtlich, anders geht nicht) heiraten, werden exkommuniziert, aber nicht nach 20 Jahren wieder in die Gemeinschaft aufgenommen.
Priester, die ihre Freundin nicht heiraten oder ihre Freundinnen wechseln, werden nicht exkommuniziert, sondern können normalerweise im Amt bleiben, auch wenn die Gemeinde die Geschichte kennt (viele Gemeinden in Deutschland sind da inwzischen sehr tolerant).
also | 20 Januar, 2009 17:07
Im Zusammenhang mit der Arbeit am Drama "Kabale und Liebe" bin ich auf die Konzeption der romantischen Liebe gestoßen. Ich nenne die wichtigsten Links, die ich hierzu gefunden habe (zur Erklärung des Modells - zur Geltung des Modells):
http://www.sozialekompetenz.org/oetsch/lehre/584240/pdf/romantik.pdf (Walter Ötsch)
http://homepage.ruhr-uni-bochum.de/niels.werber/Kap1.htm (Luhmann / Literatur 18. Jh.: Niels Werber)
Irma Gleiss: Der romantische Liebesentwurf: http://www.journal-fuer-psychologie.de/jfp-1-2007-4.html
Holger Kopplin: http://www.lutz-bornmann.de/luh/Blick/Luhmann/Kopplin/ko.htm
Thomas Anz: Liebe, Ehe und Familie in der Literatur (http://www.literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=5626)
Romantische Liebe als wirkungsmächtiger Diskurs: http://www.projektwerkstatt.de/gender/download/liebe+subjekt.pdf
Alles Liebe, oder was? Wie es zum Monogamiemodell Ehe kam: http://www.nzzfolio.ch/www/d80bd71b-b264-4db4-afd0-277884b93470/showarticle/8f8a56e2-bb63-44f3-bd16-df95bb822e5d.aspx
Die große Liebe gibt es nicht: http://science.orf.at/science/news/134781
Liebe zwischen Seligkeit und Albtraum: http://www.aurora-magazin.at/gesellschaft/sukopp_liebe_frm.htm
Manifest der Anti-Liebe: http://projekte.free.de/schwarze-katze/pirat/grulture/anti_liebe.html
sozialpsychologische Sicht: http://www.familienhandbuch.de/cmain/f_Aktuelles/a_Partnerschaft/s_692.html
Interview mit T. Morrison: http://www.brigitte.de/kultur/leute/toni_morrison/
http://psydok.sulb.uni-saarland.de/volltexte/2008/2297/, dort pdf-Datei Witte: Bindung und romantische Liebe (Bindungstheorie - kompliziert)
romant. Liebe/effiziente Partnerwahl: http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/443573
Rezensionsessay, mit vielen Links: http://www.single-generation.de/themen/thema_der_code_des_herzens.htm
Chemie der romant. Liebe: http://www.pressetext.de/pte.mc?pte=051130007
Liebe im Gehirn lokalisiert: http://www.g-o.de/wissen-aktuell-2917-2005-06-01.html
romant. Liebe vs. Freundschaft (mit Diskussion):
http://www.claudia-klinger.de/digidiary/2007/10/28/wie-romantische-liebe-zum-beziehungselend-wird/
* Heine: Jammerthal, als ironische Kritik lesen!
* „Liebe auf den ersten Blick“ ist neben „romantischeLiebe“ ein dankbares Suchwort, z.B. http://www.sciencegarden.de/content/2004-09/liebe-auf-den-ersten-blick
Dieter Wyss: Lieben als Lernprozess (1975), war ein bedeutsames Buch. Wyss spricht von "Liebe auf den ersten Blick" [auch ein interessantes Suchwort im Netz!], unterscheidet bei dieser die Verliebtheit von der Liebesleidenschaft und von all dem die Liebe als Zuneigung. Denn Liebe auf den ersten Blick sei (weltweit) so etwas wie ein Naturereignis, sie überkommt einen schicksalhaft. Sie sei auf Nähe, Einheit, Sinnlichkeit aus. - Es würden jedoch notwendig die drei Enttäuschungen erlebt, dass es die Identität mit dem anderen nicht gibt, dass totale Kommunikation und grenzenloses Vertrauen nicht möglich sind. Erst wenn man nach der Enttäuschung zusammenbleiben wolle, werde aus dem Natureignis ein Kulturpozess, der bewusste "Arbeit" der beiden an sich verlange.
Ernst Michael Lange: Liebe und Freundschaft
„Der Beziehungsform Liebe sind wir schon unter dem Thema ‚Vorgaben’ begegnet. Ich hatte vorgeschlagen, die Definition von Leibniz – Liebe ist Freude am Glück des anderen – in „Freude am Dasein des anderen“ zu verändern. Das war nicht nur dem Umstand geschuldet, dass es im früheren Zusammenhang um das Mutter-Kind-Verhältnis ging und Frauen, wenn sie Mütter werden, sich erst einmal mit dem Dasein eines von ihnen abhängigen anderen Wesens, das doch zu ihnen gehört, zurechtfinden müssen. Als Freude am Dasein des anderen, die verbunden ist mit dem Bestreben, mit ihm zusammen sein zu können und ihm gut zu tun, ist Liebe zunächst einmal eine Einstellung einer Person gegenüber (einer) anderen. Wenn die Psychoanalyse die seelische Gesundheit darin sieht, dass eine Person arbeits- und liebesfähig ist, dann ist mit Liebesfähigkeit die Fähigkeit zu dieser Einstellung gemeint.
Aber wenn jemand das Glück hat oder hatte, ‚seine große Liebe’ zu finden, dann ist mit Liebe nicht nur die Einstellung (und schon gar nicht ein bloßes Gefühl der Verliebtheit) gemeint, sondern eine soziale Beziehungsform, die sich aus der Wechselseitigkeit der Einstellung der Liebe ergibt. Das Begegnen dieser Wechselseitigkeit ist ein Widerfahrnis. Warum wird dieses Widerfahrnis und damit diese Beziehungsform gemeinhin ersehnt? (Es wäre nicht gerade widersprüchlich, aber merkwürdig zu sagen, sie werde „erstrebt“.)
Die Frage geht auf eine potentielle rationale Erklärung (und damit ein Erklärungsschema), in deren Licht die Beziehungsform und ihre Rolle in unserer Erfahrung besser verstehbar sind. Das Problem ist zu verstehen, wie ein handlungsfähiges Wesen etwas suchen kann, was zentral ein Widerfahrnis ist, also seiner Handlungsfähigkeit entgegensteht. Deshalb ist der Schlüssel zum aufzuklärenden Phänomen hier nicht die eigene Einstellung der Person dem anderen gegenüber, sondern ihre Erfahrung der Einstellung des Gegenübers zu ihr. Aus der Verschränkung der Einstellungen beider Partner (Freude am Dasein des jeweils anderen) und ihrer Erfahrungen der Einstellung des anderen (‚ich bin Gegenstand der Freude des anderen’) ergibt sich die Wechselseitigkeit der Einstellungen; und aus der Wahrnehmung der Wechselseitigkeit die Stabilisierung der Beziehungsform: Jeder weiß von sich selbst und vom anderen und damit von der beide verknüpfenden Beziehung und kann daher ‚wir lieben uns’ sagen.
In seinen Spekulationen zur Triebtheorie weist Freud77 auf die Lobrede des Aristophanes auf Eros in Platons Symposion hin, wonach sich der Trieb zur Vereinigung mit seinem jeweils anderen aus der Zerreißung einer ursprünglichen Einheit als Trieb zur Rückkehr in dieselbe ergebe. Psychoanalytische Spekulationen haben an Derartiges den Gedanken einer symbolischen Rückkehr in den Mutterschoß geknüpft. Theorien dieses Typs geben nicht die gesuchte rationale Erklärung. Ich schlage gegen solche ursprungsmythischen Scheinerklärungen vor, die Stabilität der Beziehungsform Liebe in der Koinzidenz von homologen Strukturen auf leiblicher und psychischer Ebene zu sehen.
Zunächst ist der sexuelle Trieb während langer Zeit nach der Pubertät eine beherrschende Antriebskraft. Er geht elementar auf abreagierende Entspannung durch plötzliche78 Auflösung eines in rhythmischer Bewegung erzeugten Lustkrampfes (und ist daher auch allein zu befriedigen), findet aber genussreichere Erfüllung erst mit einem Sexualpartner. Die wechselseitige Befriedigung dieses Triebes gibt eine leibliche Erfüllung des anerkannt werden, angenommen werden Wollens als ganze Person. Als psychische Personen aber sind wir als uns selbst bewertende Lebewesen auf eine genaues psychisches Analogon der Erfüllung in der leiblichen Vereinigung gerichtet – wir wollen nicht nur unserer Fähigkeiten wegen und nach von anderen an uns herangetragenen Hinsichten, sondern als ganze Person (bewertet und) angenommen werden. Und die leibliche Vereinigung in ihrer gelungensten Form überbietet die psychische sogar darin, dass sie im Orgasmus das Bewusstsein leiblicher Getrenntheit für einen Augenblick aufgehoben sein lässt. Ich denke, dass diese Sicht des Sachverhalts das Neue Testament von Liebenden sagen lässt, sie seien „ein Fleisch“ (– religiös soll das natürlich nur in heterosexueller Ehe möglich sein). Und diese momentane Überbietung möglicher psychischer Vereinigung lässt einerseits ihre Wiederholbarkeit79 und damit die Stabilisierung der Beziehungsform, in der sie möglich ist, wünschen, und begründet andererseits, wie der katholische Philosoph Spaemann realistisch anerkannt hat, dass „der Akt der geschlechtlichen Vereinigung ... allen Glücksvorstellungen als Paradigma zugrunde liegt.“80
[...]
Freundschaft lässt sich vor diesem Hintergrund als eine Beziehungsform verstehen, die gleichfalls durch die wechselseitige Anerkennung der ganzen Person der Freunde gekennzeichnet ist, in der aber das bei Geschlechtsverhältnissen die Integrationsaufgabe bedingende Moment der Begierde (des Geschlechtstriebs) fehlt, so dass das Verhältnis einen größeren Grad der Unabhängigkeit der Partner voneinander zu- und bestehen lässt. Personen, denen die Öffnung gegenüber anderen Personen auf der Ebene des Geschlechts aus psychischen oder anderen Gründen nicht möglich ist, suchen gemeinhin in der Einbettung in einem größeren engen Freundeskreis ein Äquivalent für die zentralen Funktionen, die diese Dimension für das Personsein bildet.
Wenn unter den Lebensthemen, an denen sich der Sinn eines Lebens bildet, hier Liebe und Freundschaft vor viele andere sachliche Vorgegebenheiten gestellt werden, dann weil ich nahe legen möchte, dass wir in ihnen das Gravitationszentrum unserer Erfahrung sozialer Beziehungen haben – alle anderen messen wir am Abstand zu diesen, die für unser Selbstverhältnis zentral sind.“
77 Jenseits des Lustprinzips (1920) Abschnitt VI, Studienausgabe Bd. III, S. 266. - Bei Platon (vgl. Symposion 189 d - 193 d) ) ist das jeweils andere nicht eo ipso das andere Geschlecht; das ist es nur beim ursprünglich (androgynen) dritten Geschlecht; Aristophanes nimmt drei ursprüngliche Geschlechtstypen an, die in Doppelindividuen realisiert waren, welche dann von Zeus geteilt wurden und daher nach ihrer Wiedervereinigung streben.
78 Wenn man lernt, dass das Plötzliche für antike religiöse Erfahrung die vornehmliche Erscheinungsform des Göttlichen war, bekommt man eine Ahnung von der Erfahrungsbasis von Redeweisen, die uns fremd geworden sind. Vgl. M. Theunissen: Pindar. Menschenlos und Wende der Zeit. München 2000, S. 399- 441.
79 Das betont schon Sokrates im Symposion, wenn er Eros als das Verlangen, das Gute immer zu haben, erklärt (204 d ff.).
80 Glück und Wohlwollen - Versuch über Ethik, Stuttgart 1989, S. 88. Die paradigmatische Stellung einer Erfahrung der Plötzlichkeit für unsere Glücksvorstellung ist übrigens der Grund, nicht mit „Glück“ als formalem Begriff für die Verstehensorientierung menschlichen Lebens zu operieren (die Vorstellung eines ununterbrochen dauernden Orgasmus dürfte doch eher schrecklich sein), sondern mit „Sinn“. Damit ist eine Orientierung ins Auge gefasst, die Raum hat für Glück und Unglück und die ein Muster der gesamten Erfahrung stiftet, die beides lebbar sein lässt.
Lange, Ernst Michael: Das Verstandene Leben. Nachmetaphysische Lebensphilosophie: Vorschläge und Kritik (pdf-Datei, korrigierte Fassung 2007, S. 52-54)
also | 17 Januar, 2009 21:25
Einen Bittenden immer wieder zu vertrösten, das ist in dieser Welt die Kunst des Neinsagens. (ein Weiser, zitiert bei Petrus Alfonsi: disciplina clericalis, IV. Exempel)
An drei Dingen hat der Mensch seine Freude, auch wenn sie nicht wohlgeraten sind, an seiner Stimme, an seinem eigenen Gedicht und an seinem leiblichen Sohn. (noch ein Weiser, VIII. Exempel)
also | 15 Januar, 2009 22:03
Angela Merkel bekämpft entschlossen die Krise, indem sie viel Geld des Staates ausgibt -
wohlgemerkt: unser Geld! Mir wäre es lieber, sie wäre so entschlossen der Stromindustrie entgegengetreten, die kassiert nämlich auch unser Geld,
und sie hätte so entschlossen die Autoindustrie beizeiten zum Umdenken und Umsteuern ermutigt (statt der Lobby nachzugeben), dann stände diese jetzt nicht so bescheuert da und verlangte "Hilfe": unser Geld.
Angela Merkel werde ich nicht mehr wählen, und die dämlichen Linken erst recht nicht: Die wollen uns ganz viel Geld auf Pump geben: auch unser Geld! Das dürfen wir uns dann mit Zinsen zurückzahlen - eine witzige Idee.
also | 14 Januar, 2009 21:20
Die Überschrift klingt etwas kess, aber es geht auch um eine heftige Geschichte. Ich hörte heute im Rundfunk, dass eine Werbekampagne von Tschibo an Esso-Tankstellen abgebrochen worden ist (mit entsprechender „Entschuldigung“). Tschibo hatte dort für seinen Kaffee mit dem Spruch „Jedem den seinen“ geworben; das ist eine Anspielung auf die alte Formel „Jedem das Seine“ als Maß der Gerechtigkeit, bereits im Lateinischen als suum cuique formuliert.
Nun war die deutsche Formel von den Nazis als Überschrift über dem Lagertor von Buchenwald angebracht worden. Dadurch wurde den Ankommenden und Insassen signalisiert: Ihr verdient nichts anderes; ihr kriegt hier, was euch zusteht. Das ist wirklich ein Ausdruck zynischer Menschenverachtung, darüber gibt es keine Diskussion.
Diskussion gibt es erst zur Frage, ob man aufgrund der Nazi-Sprachregelung nie mehr die Formel „Jedem das Seine“ gebrauchen oder abwandeln darf, weil das eine Verhöhnung der Opfer sei. Dazu meine ich: Dieses Verbot ist eine sachlich unbegründete Forderung, milde gesagt - ein Ausdruck von Betroffenheitspathos politischer „Korrektheit“, das mir mittlerweile zum Hals heraus hängt. Ich begründe meine Position:
1. Ein alter Rechts- oder Moralgrundsatz heißt: abusus non tollit usum; zu Deutsch: Wenn etwas missbraucht wird, heißt das nicht, dass sein Gebrauch verhindert werden dürfte. Beispiel ist für mich die Schwangerenkonfliktberatung: Auch wenn jemand mit dem Beratungsschein eine Abtreibung vornehmen lassen darf, heißt das nicht, dass man (als Kirche) die Schwangerenkonfliktberatung einstellen müsste oder dürfte [wie katholischerseits gemacht - soll jetzt aber nicht diskutiert werden].
Der Missbrauch der Gerechtigkeitsformel besagt also nicht, dass man sie nicht mehr zitieren dürfte.
2. Es gibt nichts, was nicht parodiert werden „darf“, wenn man am Recht der Meinungs- und Kunstfreiheit festhalten will. Sogar die Bibel ist parodiert worden; von Peter Rühmkorf ist Nelly Sachs‘ „Chor der Geretteten“ und die verwandte Leidenslyrik parodiert worden:
„Mit unsern geretteten Hälsen,
Immer noch nicht gelyncht,
Ziehn wir von Babel nach Belsen
Krank und karbolgetüncht.
[...]
Wir haben gelärmt und gelitten.
Wir schrieben Pamphlete mit Tau und mit Teer -
Worte schöpfen, Worte verschütten,
In ewiger Wiederkehr.“
(Peter Rühmkorf - Werner Riegel: Heiße Lyrik. Limes Verlag 1956) -
alles darf parodiert werden, was an Heroischem oder Sentimentalem einem allmählich zum Hals heraus hängt. Die Leiden jüdischer Mitbürger waren ungeheuer groß - aber das fortwährende Klagen und Betroffensein kann auch zu viel werden. Sollen denn noch in dreihundert Jahren die gleichen Klagen und die Schuldbekenntnisse rituell wiederholt werden müssen? Das kann man noch 300 Jahre lang im jüdischen Gottesdienst machen, meinetwegen, - aber bitte nicht in der Öffentlichkeit.
Daraus folgt, dass man auch die Gerechtigkeitsformel spielerisch einsetzen darf, auch wenn sie über dem Eingang von Auschwitz stand.
3. Die Ansprüche der ganzen politischen Korrektheit regen mich auf - als wenn sich die Lage änderte, wenn die Farbigen nicht mehr „Farbige“ heißen, wenn permanent auch die weibliche Wortform „Bürgerinnen, Lehrerinnen, Christinnen...“ mitgenannt wird, wenn fortwährend die Judenvernichtung der Nazis als das unübertroffen größte Verbrechen der Menschheitsgeschichte deklariert wird.
Wenn solche Sprüche permanent wiederholt werden, hilft dem gesunden Menschenverstand nur noch die Parodie. Herrgott noch mal, als wenn es nach Auschwitz keine Gedichte geben könnte - so ein elender Quark des betroffenen Herrn Adorno! Er braucht ja nicht zu dichten, aber er soll die anderen mit seiner übergroßen Betroffenheit verschonen. Und die jüdischen Funktionäre sollen nicht immer so laut schreien - sonst verspielen sie noch den Kredit ihrer berechtigten Anliegen.
Wenn wir den ganzen Tag Mitleid haben, können wir selber nicht mehr leben. Auch die Israelis haben nicht den ganzen Tag Mitleid mit den Hungernden in Afrika oder im Gaza-Streifen; sie wollen selber leben.
Bemerkenswerter offener Brief Henrik M. Broders an den Zentralrat: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,603878,00.html
also | 28 Dezember, 2008 20:04
Wenn Kafka 1913 am frühen Morgen in Prag einen Brief direkt am Fernzug nach Berlin einwarf und Felice B. sofort antwortete, hatte Kafka am Abend ihre Antwort in den Händen. (Hans-Gerd Koch: Kafka in Berlin, 2008, S. 59)
Wenn ich heute in Jüchen einen Brief einwerfe, der heute noch abgeht (Leerung einmal am Tag), ist er in einem oder zwei Tagen in Berlin.
Das ist der technische Fortschritt sowie die Entwicklung des Service bei der Post. (1969 wurde in Aachen noch zweimal am Tag die Post ausgetragen, daran möchte ich nur voller Wehmut erinnern: die gute alte Zeit!)
also | 22 Dezember, 2008 11:28
Kiran Nagarkar war in Tübingen als Dichter für die Poetik-Dozentur eingeladen, als die Terroranschläge in Bombay verübt wurden. Er hatte einen Roman "Gottes kleiner Krieger" geschrieben... Da wurde er in westlichen Medien zum Experten für Terroranschläge in Indien gemacht, weil man halt Experten braucht - der Dichter ist aber weder ein solcher Experte noch hatte er viel Ahnung von dem, was in Indien gerade passierte, zumal die westlichen Medien vor allem am Schicksal der westlichen Hotelgäste interessiert waren...
Ein Lehrstück darüber, wie berichtet und kommentiert wird und wie jemand Experte wird, von Kiran Nagarkar in der SZ berichtet (Alle Toten sind gleich - aber einige sind gleicher als andere, SZ 3. Dezember 2008, S. 13).
also | 21 Dezember, 2008 18:04
Zwei Beobachtungen, die ich dieser Tage gemacht habe:
1. In "Neue Schach-Teste" (Euwe - Mühring, 2. verbesserte Auflage 1971) wird gleich beim Test Nr. 1 (Rodriguez-Sara) ein forcierter Gewinn ausgewiesen, der durch ein Opfer (11. Lxf6) eingeleitet wird.
Wenn man diese Stellung dem Computer vorlegt, sieht er das Opfer nicht, findet jedoch für den Angreifer einen Zug, der trotz des Opfers den Ausgleich wahrt (15. L h5) und findet dann eine Widerlegung für den Verteidiger: 15. ... K e7. Das forcierte Matt war ein Fiktion, die Maschine fällt nicht darauf rein; Euwe war mal Weltmeister - das Buch hat aber vermutlich im Wesentlichen Herr Mühring gemacht.
2. Im Kommentar zu einer Partie Caruana-Berg lobt Stefan Kindermann (SZ November 2008) den jungen Angreifer Caruana und führt dessen schöne Angriffskombination vor: 20. Sxf7 (erstes Opfer) und 21. Txe6 (zweites Opfer).
Die Maschine sagt ganz einfach: Die Antwort 20. ... Lxg3 (also das erste Opfer nicht annehmen!) wahrt beinahe den Ausgleich, 21. Lxd6 ist besser als das zweite Opfer. - Kindermann hat 1. Bundesliga gespielt und agiert jetzt in Österreich (?).
So ist das eben manchmal, wenn die Meister unter dem Eindruck eines Sieges den Verlauf eines Spiels kommentieren: Sie übersehen die Rettungsmöglichkeiten.
also | 20 Dezember, 2008 22:18
tritt als evangelischer Pfarrer und esoterischer Volksverdummer auf, wobei er den Titel "Pfarrer" nutzt, um seinen Scheiß unters Volk und dessen Geld an sich zu bringen: energetisiertes Wasser - er sollte mal einen Chemiker oder Physiker fragen, was das ist und ob es so etwas gibt. Er kann auch gern zu uns kommen - ich bezahle ihm die Reise, wenn besagtes Wasser etwas leistet. Die Pointe: Fliege ist als Pfarrer beurlaubt, sodass seine (Rheinische) Landeskirche ihm nichts anhaben und seinem pseudochristlichen Geldverdienen keinen Riegel vorschieben kann. Aber als Esoteriker verdient er sicher hundertmal mehr denn als Pfarrer, der er mal war. Er betet sicher jeden Tag: "Leck mich, was sind die Leute doof! Ich glaube an die Macht der Dummheit und die schönen esoterischen Gefühle..."
Mit Christentum hat dergleichen natürlich nichts zu tun, genauso wenig Pater Pios "katholische" Mauscheleien. Im Umkreis der Religionen gedeiht die Dummheit, am Rand, an den Rändern... Da wollte Bonhoefer ein religionsloses Christentum leben und die Kirche im Dorf lassen. Aber wenn sie im Dorf steht, macht der Pastor auch bloß Mist, weiht Schützenfahnen und säuft auf der Kirmes mit, als prima Kumpel (Jüchen/Rheinland). Es ist ein Kreuz mit der Religion! Aber nicht das von Jerusalem.
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